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Medea – die antike Gestalt einer rasenden Rächerin in modernem Gewand

Autor: TTh 06.11.2018

2018-10 Theaterexkursion MedeaWer Griechisch lernt, kann die inzwischen 2400 Jahre alte Tragödie des Euripides auch im Original lesen. Bei ihrem Theaterbesuch am 22. Oktober im Kulturhaus Osterfeld in Pforzheim durften die GriechischschülerInnen aus Bruchsal die mythenumrankte Medea allerdings in einer modernen deutschen Übersetzung von Peter Krumme auf der Bühne erleben: Fesselnd und beängstigend gleichermaßen in ihrer grenzüberschreitenden Radikalität, bringt die verratene und betrogene Frauengestalt in ihrem überwältigenden Schmerz am Ende sogar die eigenen Kinder um. Teilnehmer an dieser interessanten Theaterexkursion, die einen eindrücklichen Einblick in die Welt der griechischen Mythologie ermöglichte, waren die Griechischschülerinnen der Klassen 9 bis K2 des Schönborn-Gymnasiums und des Kooperations-Gymnasiums St. Paulusheim, begleitet von ihren Lehrerinnen Frau Dr. Keller und Frau Lejeune. So bot dieser Ausflug auch eine besondere Gelegenheit für einen gemeinsamen schul- und stufenübergreifenden Austausch unter den Griechischlernenden.

Auf Euripides' antike „Medea" folgte eine lange und äußerst vielfältige Wirkungsgeschichte, die von Seneca über Pierre Corneille bis Franz Grillparzer reicht und die bis heute andauert – man denke nur an Christa Wolfs Roman „Medea" von 1996 oder an das Drama „Mein und dein Herz. Medeia" der deutsch-georgischen Schriftstellerin Nino Haratischwili, die jüngst auf der Frankfurter Buchmesse beeindruckte. „Medea" ist ein besonderes Beispiel dafür, wie modern antike Tragödien sein können: Hier geht es um die existentiellen Themen von Liebe und Tod, hier geht es um Macht, Verrat und Untreue – und es geht auch um das aktuelle Thema der Integration einer fremden „Barbarin" (wie die Griechen das nannten) in eine neue Kultur. Die Königstocher Medea aus dem asiatischen Kolchis, die dem Argonauten Jason in Liebe nach Griechenland gefolgt ist, erfährt in der Fremde Ablehnung und grausamen Verrat, der sie zu einer so blindwütigen Rache führt, dass diese bis heute verstört. Stoff genug also für interessante Fragestellungen und vielfältige Diskussionen. Zum Glück gab es dann schließlich auch die Gelegenheit zur Stärkung bei einem griechischen Mittagessen – mit schmackhaften griechischen Gerichten durften sich nach der Theateraufführung alle in passendem Ambiente von der großen Tragödie erholen.

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