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„Augenblick, verweile doch, du bist so schön!“ – ein Theater-Workshop zu Goethes „Faust“ am Schönborn-Gymnasium

Autor: TTh 01.04.2019

2019_03 Theaterworkshop K1Der Gelehrte Faust, dessen unstillbarer Wissensdrang ihn dazu drängt, endlich zu erkennen, „was die Welt / Im Innersten zusammhält", lässt sich in einer existenziellen Krise auf eine Wette mit dem Teufel ein und stürzt in der sich anschließenden Gretchentragödie die junge Margarete ins Verderben. Was kann das jungen Menschen heute noch sagen? Wie sich gerade am Schönborn-Gymnasium herausstellte: eine ganze Menge. Das wohl berühmteste deutsche Drama der Weltliteratur wurde vom Badischen Staatstheater Karlsruhe unter der Regie vom Michael Talke neu auf die Bühne gebracht und in dieser Spielzeit wieder aufgenommen – eine gute Gelegenheit für die Schülerinnen und Schüler der Kursstufe 1 des Schönborn-Gymnasiums, sich mit diesem Drama in einer modernen Inszenierung auseinanderzusetzen. Der Kurs von Frau Dr. Thern bekam darüber hinaus Ende März die Möglichkeit, den Theaterpädagogen Benedict Kömpf an der Schule begrüßen zu dürfen und mit diesem einen interessanten Workshop zu erleben. Nicht nur konnten viele Fragen zur Inszenierung gestellt werden: Warum taucht Margarete bereits im „Prolog im Himmel" auf und schlüpft in die Rolle Mephistos? Warum zeigt Faust nicht nur viele Gesichter, sondern tritt auch in mehreren Personen auf, die alle geschminkt sind wie in einem Stummfilm? Welche Idee steckt hinter der Musik und dem Bühnenbild?

Es ging nicht nur um die Klärung von den unterschiedlichsten Fragen, sondern vor allem auch um das Wecken von Kreativität und damit um einen nochmals völlig neuen Zugang zu dem im Unterricht bereits analysierten Drama. Wie finde ich spontan eine Geste für relevante Begriffe wie „Kraft", „Religion" oder „Faust"? Gretchens verzweifeltes „Meine Ruh ist hin,/ Mein Herz ist schwer" durfte im Anschluss ebenso szenisch interpretiert werden wie Mephistopheles' an Marthe gewandtes „Ihr Mann ist tot und lässt Sie grüßen." In verschiedenen Gruppen entstanden beeindruckende Standbilder zu verschiedenen Szenen aus der Tragödie, die die interessierten Schülerinnen und Schüler als besonders starke Momente erlebt hatten. Als es dann am Ende darum ging, diese gegenseitig genauer zu interpretieren, stellte sich heraus, dass es „im Theater kein richtig und kein falsch gibt", wie dies auch der engagierte Theaterpädagoge Benedict Kömpf klar herausstellte. So war es kein Wunder, dass die Doppelstunde wie im Fluge verging und der einmal ganz anders geartete Deutschunterricht alle beflügelte. Fast schon hätte man, um es mit Faust zu sagen, denken können: „Werd' ich zum Augenblicke sagen:/ Verweile doch! Du bist so schön!".

(Th)

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