.

„Und Bruchsal dreht sich doch in die richtige Richtung“

Autor: root 18.03.2014

 

Foucault-Pendel-Installation am Schönborn-Gymnasium im Rahmen der Projekttage
Modellversuch begeistert Besucher des Schulfestes

Respekt haben die meisten von uns vor der Physik, ist sie manchmal als theoretisch und trocken, komplex und kompliziert bekannt. Dabei hat sie soviel mit unserem Alltag zu tun und ist in der Lage, viele Phänomene logisch zu erklären. Modelle dienen dazu, diese Sachverhalte anschaulich und verständlich zu machen.

Foucault-PendelSo finden sich interessierte Jungphysiker (Klasse 9-12) am Ende des Schuljahres 2012/13 in Herbert Pfefferles Projektgruppe zusammen und beschäftigen sich mit der Installation eines Foucault-Pendels am Schönborn-Gymnasium, das die Erdrotation nachweisen soll, genauso wie dies der französische Physiker Foucault 1851 im Pariser Pantheon zeigen konnte.

Zunächst sind viele technische Fragen zu klären. Das achteckige Atrium im Neubau des SBG bietet sich als idealer Ort an, da es symmetrisch aufgebaut ist und eine lichte Höhe von beachtlichen 13,20 m hat. Den Pendelkörper aus 10 kg Edelstahl hat eine Schülerin in der CNC-Dreherei ihres Vaters extra im Anschluss an ihr Referat anfertigen lassen. Aufgehängt werden soll das Pendel an einem 13 m langen und 2 mm starken Edelstahlseil.

Doch bis zur endgültigen Installation bedarf es noch sorgfältiger Planung und umfangreicher Vorarbeiten, welche die Projektgruppe vor und während der Projekttage zu bewältigen hat. So müssen die Seilführungen vorbereitet und an  den Baukörper angepasst werden. Eine besondere Herausforderung stellt die obere Aufhängung dar, die in Eigenarbeit selbst hergestellt wird. Um in der großen Höhe arbeiten zu können, wird eine Hubarbeitsbühne organisiert. Unterstützung erhält die Gruppe durch eine Schlosserei aus Kraichtal, die Stadt Bruchsal und den Bauhof der Stadt – schließlich müssen Baurecht und Statik genau berücksichtigt werden. Dagegen ist die Winkeleinteilung auf dem Boden mit den typischen Klötzchen, die vom Pendel umgeworfen werden, ein Leichtes.

Der spannende Moment ist der erste Probelauf. Aber was passiert da bzw. zeigt uns dieses Experiment?

In unserem Bezugssystem Erde bemerken wir Effekte, z.B. dass Luftströmungen durch die sogenannte Corioliskraft auf der Nordhalbkugel nach rechts abgelenkt werden; genauso auch unser Pendel. Gegenüber dem Bezugssystem der Fixsterne ändert sich die Schwingungsebene des Pendels jedoch nicht, während sich die Erde darunter wegdreht. Wir erkennen, während sich das Pendel direkt am Nordpol in 24 Stunden um 360° dreht, rotiert es in Bruchsal aufgrund der geographischen Breite von 49° nur um 11,32° pro Stunde. Dieser Wert kann im Experiment recht gut bestätigt werden.

Zufrieden erzählt David aus der K2, dass seine Projektgruppe hiermit ein Modell geschaffen habe, welches jederzeit mittels einer fest installierten Seilwinde kurzfristig nach unten gefahren werden könne, sodass es auch während einer Unterrichtsstunde für die künftigen Schulklassen zur Verfügung stehe.

„Unser Foucault-Pendel am SBG ist das einzige im Großraum Bruchsal“, fügt Lukas aus der 9b hinzu, erst an einem Heidelberger Gymnasium und im Deutschen Museum in München gäbe es fest installierte Pendel, erklärt er voller Stolz.

(Christiane Welz)

  • PDF
  • Sie können diese Seite versenden/ empfehlen
  • Druckversion dieser Seite